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Wachszieher

Wachzieher waren im Spätmittelalter angesehen und begannen sich schon im 14. Jahrhundert zu Zünften zu formieren ((1)). Neben der Berufsbezeichnung Wachszieher waren auch Kerzenzieher, Kerzenmacher, Lichtermacher, Lichterzieher, Wachsgiesser und Wachszelter verbreitet. Wir recherchieren hauptsächlich das Handwerk, aber auch die Stellungen der Wachszieher in der städtischen Bevölkerung. Unsere Recherchen sind natürlich noch lange nicht abgeschlossen, trotzdem haben wir beschlossen eine Zusammenfassung unserer bisherigen Ergebnisse online zu stellen.

 

Wachs und das Mittelalter

Bienenwachs war im späten Mittelalter ein teures Gut, vor allem durch den hohen Verbrauch der Kirchen resultierte ein hoher Wachspreis. Um den Kerzenverbrauch zu verdeutlichen, dient dieses Beispiel: Gegen Ende des 15. Jahrhunderts war der Verbrauch der Schlosskirche von Wittenberg, in der ca. 900 Messen Jährlich gelesen wurden, bei über 35 000 Pfund Bienenwachs ((1)). Um diesen grossen Wachsbedarf decken zu können, bekamen die Kirchen Unterstützung der Zünfte. Diese setzten bei der Bestrafung ihrer Mitglieder schon im 14. Jahrhundert nicht nur auf Geld sondern auch auf Wachstrafen. Ein Auszug aus der Handwerksordnung der Leipziger Schneider aus dem Jahr 1386:

(...)Auch soll kein Schneider und Schneidergeselle an Feiertagen oder in Feiernächten arbeiten. Wer das tut, der soll, wenn er ein Schneidermeister ist, 1 Pfund Wachs für Kerzen geben. Ist er ein Schneidergeselle, so soll er dafür 1/2 Pfund Wachs geben. (...) ((2))

Doch nicht nur als Strafe, sondern auch als Stiftung wurden Kerzen eingesetzt. So stiftete die Müllergesellschaft in Basel eine Kerze ans Frauenkloster Klingenthal, die jeweils an allen Sonntagen, an allen Tagen Unserer Lieben Frau, an allen Aposteltagen, an allen Kirchweihtagen und an allen restlichen Feiertagen vom Anfang bis zum Ende der Messe brennen sollte. Ausserdem trägt die Kerze das Schild der Zunft. Und während der Fastenzeit herrschen besondere Regeln:

(...) wie sollen auch in jeder Fastenzeit zwei Kerzenmeister bestimmen und benennen, die die Kerzen bewachen sollen und die sie zur rechten Zeit anzünden und zu löschen haben. Und wenn sie dabei säumig sein sollen, die Kerze nicht zur rechten Zeit anzündeten und löschten, so soll jeder ein Viertel Wachs als Strafe in die Büchse geben, ohne Gnad. ((2))

Natürlich wurde diese Zunftkerze auch angezündet, wenn ein Zunftmitglied verstarb. Im ausgehenden Mittelalter war also Wachs ein teures Gut. Ein Preisbeispiel haben wir leider bisher nur aus dem 16. Jahrhundert, so bekam damals ein Schreiner ein Tageslohn von 24 Pfennig. 1 Pfund Fleisch kostete 4 Pfennig, 1Pfund Salz 1 Pfennig, ein Pfund Bienenwachs hingegen 40 Pfennig. ((1))

Billiger als Wachs war Talg. Das Tierfett brennt ebenfalls, allerdings nicht ganz so hell und mit einem ranzigen Beigeschmack. Es war eher der Brennstoff der städtischen Bevölkerung, zusammen mit den billigen Kienspänen.

Votivfiguren

Ein weiterer Verwendungszweck von Wachs war die Verwendung von Votivfiguren. Diese Stiftgaben in Form erkrankter Körperteile oder Wünsche waren schon seit dem frühen Mittelalter beliebt. Wachsvotive waren vielfältig, so weisst das Mirakelbuch des Wallfahrtorts Grafrath aus der Diözese Augsburg aus dem 15. Jahrhundert, folgende Votive auf ((3)):

Arm, Auge, Augapfel, Bauch, Bild, Bruch, Brust, Fuss, Gebärmutter, Gebiss, Grammeln, Gürtel, Hals, Hand, Haus, Hemd, Herz, Herzblatt, Hinterleib, Hirnschale, Hosenband, Jesusbild, Kerze, Kette, Kind, Kniescheibe, Knopf, Kopf, Kör, Kranz, Kron, Krücke, Kuh, Mann, Messer, Nabel, Nabelbruch, Niderwat, Ohr, Pferd, Rippe, Rückenkreuz, Schulter, Zähne, Zopf.

Votivfiguren sind häufig aus reinem Wachs oder Holz, manchmal auch geschnitzt und mit Wachs überzogen. Noch heute sieht man in Wallfahrtkirchen Balken mit Votivmotiven. (zB in der Ringackerkapelle in Leuk-Stadt).

Bienenwachs

Bienenwachs wird aus Wabenrohwachs gewonnen und hat ein Farbspektrum von hellgelb über goldgelb bis hin zu gelbgrün. Der Schmelzpunkt von Bienenwachs liegt bei etwa 63-65 Grad, der Erstarrungspunkt ein paar Grad niedriger. Er ist schwerer mit Gussformen zu pressen als Kerzen als Paraffin, ein Grund warum Bienenwachskerzen bis heute hauptsächlich gezogen und nicht gegossen werden. 

Talg

Talg ist Körperfett von Wiederkäuern, das im Mittelalter einer der beliebtesten Lichtgeber war. Zur Herstellung werden die Schlachtabfälle von Rindern oder Kälbern ausgekocht. Es stinkt sehr!

Paraffin

Wird erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts zur Kerzenherstellung verwendet, deshalb ist es keine Alternative für die Darstellung.

Verfahren der mittelalterlichen Kerzenfabrikation

 

Tunken
Die häufigste Art des mittelalterlichen Kerzenziehens war das Tunken. Dabei wird der Docht in flüssiges Wachs getunkt, der Docht anschliessend gestreckt und dann wieder in die Wachsmasse getaucht. Dadurch erhält die Kerze bei jedem Eintunken einen dickeren Wachsmantel. Am einfachsten bekommt man mehrere gleiche Kerzen, in dem man 10-20 Dochte über einen Holzstab (Dochtspiess, Baguette) legt, in möglichst gleichem Abstand und die Dochte anschliessend in den Wachs eintunkt.

 

Giessen
Eine der ältesten Methoden der Kerzenherstellung ist das Kerzengiessen. Dabei wird der flüssige Talg in eine vorgefertigte Form gegossen. Bienenwachs eignet sich weniger bis gar nicht zum giessen, da er sich schwer aus Gussformen entfernen lässt. Die uns bisher bekannten Gussformen bestanden aus Messing, Zinn und Ton.

 

Dochte
Dochte sind gerade unser Hauptforschungsgebiet. Die heutigen Dochte bestehen aus Baumwolle, da dieses Material gleichmässig und geruchsneutral verbrennt und das flüssige Wachs sehr gut aufsaugt. Für das Mittelalter kommt dieses Material aber kaum in Frage, zwar gibt es Belege für die Verwendung von Baumwolle in spätmittelalterlichen Textilen, vor allem als Mischgewebe. Allerdings kommt sie aufgrund ihres eher seltenen Vorkommens und ihrer hohen Preises wohl kaum als Dochtstoff in Frage. Also sind Leinen oder Wolle wohl die wahrscheinlichsten Stoffe. Wolle stinkt bei Verbrennen allerdings stark und Leinen hat eine verminderte Saugfähigkeit. Unsere Brennversuche mit Leinen brachten bisher die besseren Versuche, wir sind allerdings noch nicht am Ende mit unseren Tests. Die Dochte sind natürlich mit der Fingerschlaufentechnik hergestellt worden.

 

Quellen:

((1)) Vom Wachs zur Kerze, Josef Müller, 1993, Verlag Zürcher Forum, Zürich

((2)) Städtisches Leben im Mittelatler, E. Engel & F. Jakob, 2006, Böhlau Verlag Köln

((3)) Vom Wachs: Hoechster Beiträge zur Kenntnis der Wachse, Dr. Phil. Reinhard Büll, 1959-1977, Hrsg.: Hoechst AG, Frankfurt a.M.